Diese Krankheitsbild ist mystifiziert. Es trägt die Symbolik und
das Stigma des "Bösen" und im Umgang damit spiegelt sich der
Umgang mit krebsartigen Entwicklungen auf anderen, allgemeineren
Ebenen, die oft ihrerseits zu Krebserkrankungen des einzelnen
führen.
Krebs: etwas Unheimliches, "Böses" schwingt da mit. Plötzlich
auftauchend, dort, wo alles gut schien, unbegreiflich in ihren
Gründen und in ihrem Ablauf, ein Widersacher des Lebens, so wie
das personifizierte Böse. (Der Krebs ist auch deshalb der Taufpate
für diese Erkrankung, weil das Krebstier, wie die Insekten, der
Herrschaft des "Bösen" untersteht.) Viele Patienten wollen
nicht nur den Namen nicht hören, sondern die Erkrankung
überhaupt aus ihrem Bewusstsein streichen. Bei keiner anderen
Erkrankung gibt es vergleichbare Verdrängungsleistungen.
Es gibt viele Krankheiten, mit denen man leben kann und es gibt
Selbsthilfegruppen, die aus dem Leben mit derartigen Krankheiten fast
schon eine Tugend machen, indem sie daraus den Anlass und Mittelpunkt
angenehmer sozialer Kontakte gestalten. Die Krebskrankheit aber bietet
sich offenbar für solche Integrationskonzepte weniger an. Nur
wenige Krebskranke Menschen nehmen an Selbsthilfegruppen teil. Das kann
nicht daran liegen, dass diese Erkrankung besonders schwer oder
besonders lebensgefährlich ist. Andere Erkrankungen, die die
Lebensqualität erheblich stärker beeinträchtigen, sind
besser integriert. In den Industriestaaten sterben 40 Prozent der
Bevölkerung an Herz- und Kreislauferkrankungen - fast doppelt
soviel wie an Krebs; dennoch löst dieses keinen ähnlichen
Schrecken aus. Wieso?
Bei Krebs lautet das gemeinsame oberste Ziel aller medizinisch -
therapeutischen Anstrengungen immer noch: "Weg mit dem Bösen, weg
mit der Krankheit!" Die Frage nach dem Woher erschöpft sich nach
Viren und Gendispositionen, die Frage nach dem Wohin wird
überhaupt peinlich vermieden, wie es einer Wegwerfgesellschaft
geziemt. Warum ist Krebs derart unheimlich? Was führt zur
Bezeichnung "bösartig"?

Ein keulenförmiger stimulierter Lymphozyt greift eine
wesentlich größere Krebszelle an
Krebs und Psychotherapie
In der Psychotherapie steht die Integration der verdrängten Selbstanteile im Mittelpunkt der Arbeit mit dem Krebskranken. Fünf Zielsetzungen sind dabei unabdingbar:
1. Die Versöhnung mit der Lebensgeschichte soll die
individuelle Vergangenheit und alle darin wichtigen Personen und
Ereignisse als Teil der eigenen Lebensgeschichte erkennen und
akzeptieren helfen. In der tiefenpsychologischen Arbeit gibt es keine
Suche nach "Schuldigen", sondern würden wir letztlich immer bei
Adam und Eva anfangen. Erst wenn der Patient in sich die
versöhnenden Akzeptanz vollzogen hat, kann er den Ballast einer
als unbefriedigend erlebten Vergangenheit hinter sich lassen und sich
seinen gegenwärtigen Lebensinteressen und seiner Welt frei
zuwenden.
2. Die Aufdeckung und Integration der verdrängten Selbstanteile
hat zum Ziel, dass die in der frühkindlichen Erziehung in das
Unbewusste unterdrückten individuellen Wesensanteile erkannt und
akzeptiert werden, dass sie aus der "Böse" - Isolation befreit und
auf eine gesunde Weise integriert werden, um eine heile
Gesamtpersönlichkeit des Patienten zu erreichen.
3. Die Entwicklung des wahren Selbst hat zum Ziel, den Patienten
für seine eigenen individuellen Bedürfnisse und
Fähigkeiten zu sensibilisieren sowie ihre Umsetzung im sozialen
Leben und sein echtes Sich - Einbringen in seine Beziehungen zu
stützen.
4. Die liebende Akzeptanz des Ich hat zum Ziel, dass der Patient in
seinem So - Sein wertfrei akzeptieren und lieben lernt, dass er sich
und sein Leben gern hat, einfach weil es sein Schöpfer (oder wie
auch immer er in seiner Weltanschauung dies sieht) ihn so geschaffen
und in diese Welt gestellt hat. In dem Maße, wie diese Haltung
wirklich erreicht werden kann, befreit sich der Patient von den
Bedingungen, die er ständig an sich und seine Umwelt stellt, um
die Existenzberechtigung seiner selbst und seiner Welt akzeptieren zu
können. Frei wird er auch von der Notwendigkeit, ständig zu
einer Symbiose gezwungen zu sein, weil er lernt, sich selbst in seiner
Welt als Ganzes zu fühlen.
5. Kernstück jeder tiefenpsychologischen Krebstherapie ist es, ein
existentielles Sinn - und Sicherheitsgefühl zu vermitteln. Ein
Sinnbild für die anstrebende Weltsicht kann der intrauterine
Zustand sein, in dem die Nabelschnur die Verbindung zwischen "Selbst"
und "Mutter" dargestellt und die liebevolle Geborgenheit in der Umwelt
des mütterlichen Leibes sichert. In der extrauterinen Welt sollte
die symbiotische Sicherheit nicht bei einem fixierten Gegenüber,
sei es Mensch, Beruf, Idee usw. gesucht, sondern im Dasein des Selbst
und der Welt gefunden werden. Das Universum ist dann der Uterus, und
die eigene Weltsicht kann als Religion im besten Sinne (religio: lat. =
Rückbindung) zur symbolischen Nabelschnur werden, mit deren Hilfe
die liebevolle Geborgenheit innerhalb einer größeren Macht
empfunden wird.
Bericht der Erika K.
(Ich hatte Krebs - auf dem geistigen Weg wurde ich gesund)
Zur Zeit Marilyn Monroes, dem damaligen Schönheitsideal,
ließen sich viele junge Frauen aus rein optischen Gründen
Silikon in die Brüste reinmachen. So auch ich, denn ich wollte
meinem damaligen Mann gefallen. Wohl hatte ich mich erkundigt, ob das
Probleme geben könnte, aber der Schönheitschirurg beruhigte
mich: "Damit werden sie alt." So war ich mir sicher und habe auch die
ganze Zeit dazu gestanden. Vor ein paar Jahren verspürte ich in
einer Brust so etwas wie ein Knötchen, hatte aber noch keine
Beschwerden.
Die Diagnose
Trotzdem wollte ich alles herausnehmen lassen. Ich suchte also wiederum
den Schönheitschirurgen auf. Wichtig war mir dabei, keine
Vollnarkose zu bekommen, weil ich zu diesem Zeitpunkt schon bewusst
lebte und bewusst Verantwortung für meinen Körper und alles,
was in meinem Leben mit mir geschieht, übernommen hatte. Nach dem
Eingriff zeigte mir der Arzt das Herausgeholte - und es war erkennbar,
dass das nicht gesund sein konnte. Es schien wie verfault, verwest.
Als ich Tage später meinem Arzt zur Diagnose
gegenübersaß, merkte ich gleich, wie nervös und
irgendwie hilflos er war, bevor er sprach. Er sagte:" Frau K. wir
müssen sofort in die Klinik. Sie müssen unverzüglich die
ganze Brust wegbekommen. Das ist Krebs und nicht mehr heilbar, weil es
lymphial ist. Das kann sofort überall hingehen. Aber damit
wenigstens ihr Leben verlängert werden kann, müssen sie
umgehend operiert werden." Auf meine Frage, wie lange ich noch zu leben
hätte, meinte er, dass es ein halbes Jahr, vielleicht ein Jahr
noch gehen könnte, aber er wolle sich nicht festlegen. Beim
Hinausgehen fragte er, ob er mich denn so gehen lassen könne . . .
. . . .
Wie ich da wegging, kam eine große innere Ruhe über mich.
Und mir wurde klar: Operieren lassen werde ich mich nicht,
Chemotherapie und Bestrahlen kommt auch nicht in Frage, also werde ich
halt sterben. Nach dieser Entscheidung habe ich alle meine
persönlichen Sachen, meinen ganzen Schmuck den Kindern geschenkt,
um loslassen zu können. Dem Heilerverband, bei dem ich als
Seminarleiterin Mitglied war, teilte ich mit, dass ich im Moment nicht
mehr weiterarbeiten werde. Ich richtete mich also ganz darauf ein zu
sterben.
Die Wende
Kaum hatte ich losgelassen, da empfand ich plötzlich eine
unglaubliche Energie in mir.. Ich dachte, das ist doch toll, wenn ich
schon sterben muss, kann ich ja erst mal leben. Denn ich hatte ja keine
Schmerzen. Ich begann meine Ernährung total umzustellen und
spritzte mir zugleich Iscador, ein Mistelpräparat. Es folgte ein
Spitalaufenthalt in der Ita - Wegmann Klinik in Arlesheim. Ein Arzt und
eine Ärztin, ganz liebe leute, kamen ständig zu mir, um mich
zur Operation zu überreden. Sie taten dies, bis sie meine
Sicherheit spürten, mich nicht darauf einzulassen. Mein Verstand
konnte das nicht nachvollziehen. Für ihn wäre die OP. die
logische Konsequenz gewesen. Aber in meinem Innersten hieß es
immer: Nein.
Während dieser Zeit in der Klinik meditierte ich jede Nacht und
spürte auch immer Heilung. Auch bekam ich dadurch wunderbare
Einsichten und sehr tiefe transformatorische Erfahrungen. Mit viel Tee
und Wasser, und entsprechendem Schwitzen, unterstützte ich diesen
Heilungsprozess. Mein innerer Heiler holte sich genau das, was er
brauchte.
Auch nach dem Spitalaufenthalt achtete ich auf meine Ernährung und
nahm Präparate zur Stärkung des Immunsystems. Ebenso wichtig
war mir das Visualisieren. Ich stellte mich z.B. jeden Morgen vor den
Spiegel und sagte:: Du hast wunderschöne Brüste und du bist
vollkommen gesund. Dies alles ist natürlich nicht einfach auf
andere Betroffene übertragbar. Man kann es nicht imitieren. Es ist
ein innerer Prozess. Und wenn ein Krebskranker zu mir käme, der
sich z.B. bestrahlen lassen will, würde ich ihn nie davon
abhalten. Denn ist er hundertprozentig davon überzeugt, kann ihm
das helfen. Falsch aber ist, wenn er sich bestrahlen lässt, obwohl
er daran zweifelt und nebenher noch anderes probiert. So herrscht
Unsicherheit und der innere Heiler kann sich nicht voll entfalten.
Das Entscheidende dabei ist, die Verantwortung für das eigene Tun
selbst zu übernehmen und dabei ganz sicher zu sein. Und wenn man
noch einen Schritt weiter gehen will, dann sollte man innerlich um
Hilfe bitten - nenne man es nun Christus, Gott, Mohammed, das kosmische
All oder Selbstheilungskräfte.
